Informationen Neelmeyer Newsletter Geld & Zins

Marketingmitteilung

Steigende Zinsen bleiben an der Tagesordnung

Aber: „Wie hoch und wie lange können die Zinsen noch steigen?“

Dies ist wohl eine der entscheidendsten Fragen in der heutigen Zeit für Kapitalanleger in Bezug auf die künftige Konjunktur- und Börsenentwicklung. Derzeit befinden wir uns in einer Phase, in der alle großen Notenbanken der westlichen Welt die Leitzinsen schnell und mitunter kräftig erhöhen. So wurde der Leitzins in den USA durch die Federal Reserve (FED) Anfang November bereits bei 4,00 % fixiert. Dieses Niveau wurde zuletzt Anfang 2008 beobachtet. In der Euro-Zone liegt der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) seit dem 27.10.2022 bei 2,00 % und in Großbritannien hat die Bank of England (BoE) den Leitzins heute von 2,25 % auf 3,00 % deutlich angehoben. Die BoE Notenbank stellte dabei in Aussicht, dass es gegebenenfalls weitere Anhebungen gibt.

Der Hintergrund für diese – noch vor wenigen Monaten fast undenkbare – sehr restriktive Geldpolitik sind die rekordhohen Inflationsraten, die ihren Ursprung nicht ausschließlich in den gestiegenen Energiepreisen haben, sondern vielmehr durch die Notenbanken selbst verursacht wurden. Hierzu müssen wir das Corona-Jahr 2020 in Erinnerung rufen: In einer beispiellosen Aktion wurde die umlaufende Geldmenge durch die Notenbanken nahezu verdoppelt ohne das eine entsprechende Produktion von Gütern oder ein Angebot von Dienstleistungen dieser Geldmehrung gegenüberstand. In der Folge kam es zuerst zu einer Assetpreisinflation (Aktien, Anleihen, Immobilien) und nachfolgend zu einer Güterpreisinflation. Die FED hob in diesem Zusammenhang den Leitzins nochmals um + 0,75% (oder 75 Basispunkte) an. Dies ist die vierte Anhebung dieser Größenordnung in Folge auf die Spanne 3,75% bis 4,00%. Die seit der letzten FED-Erhöhung im September veröffentlichten Makrodaten deuten auf eine anhaltend hohe Inflation und einen widerstandsfähigen Arbeitsmarkt hin. Die Kerninflation des Verbraucherpreisindex stieg im September nochmals um +0,6 % gegenüber dem Vormonat. Die Notenbanken benötigen allerdings eine dauerhaft niedrige Inflation in Richtung 2,00 % und werden die Zinserhöhungen nicht beenden, bis der Trend erkennbar ist. Allerdings sind die Auswirkungen von Leitzinserhöhungen immer erst mit Zeitverzögerung von mehreren Wochen oder sogar Monaten ersichtlich. Zu schnelle Zinsanhebungen könnte die Wirtschaft bzw. die Konjunktur nachhaltig schädigen und abwürgen.

Der Durchschnitt der Prognose des FOMC (siehe Grafik) deutet auf weitere Zinserhöhungen hin (nochmals +0,50 % im Dezember 2022) und auf nur noch eine oder zwei kleinere Schritte im ersten Quartal 2023 bis auf 4,75 bis 5 %. Wir gehen davon aus, dass die FED ihren Zinserhöhungszyklus im Tempo reduzieren, aber in der Länge in das Jahr 2023 ausdehnen wird.

Lesen Sie Infos für Anleger im Newsletter von Neelmeyer

Aber auch in Europa klettern die Zinsen weiter und verharren auf erhöhtem Niveau. So hat sich die Benchmark für Zehnjahreszinsen in Deutschland deutlich über 2 % festgesetzt. Noch zum letzten Jahreswechsel 2021/2022 war die Nulllinie (0,00 %) das Maß aller Dinge. Es herrscht eine komplett veränderte Zinswelt.

Und auch in Europa sind weitere Schritte wahrscheinlich. Allerdings hält sich die EZB noch immer bedeckt, inwieweit sie eine Rezession als notwendig ansieht, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Stattdessen ist nach wie vor ihr vorrangiges Ziel, so schnell wie möglich die expansive Geldpolitik zu beenden. Die Rezession ist aber eigentlich schon da, weil die hohe Inflation die Kaufkraft belastet. Ein wichtiger von der EZB-Chefin Lagarde genannter Faktor kommt einer automatischen Bremse gleich, da die Notwendigkeit weiterer Zinsanhebungen mit jedem erfolgten Zinsschritt per Definition kleiner wird. Interessant ist auch der Verweis von Lagarde auf die Wirkungsverzögerung geldpolitischer Entscheidungen. Diese liegt bei mehreren Quartalen. Die bisherigen schnellen und starken Zinserhöhungen (siehe Grafik) bzw. deren Auswirkungen werden somit wohl erst im 1. Halbjahr 2023 im vollen Maße sichtbar werden. Ein vorsichtigeres Vorgehen seitens der Notenbanken ist daher angebracht, um nicht die Konjunktur durch eine Übertreibung der Zinserhöhungen abzuwürgen.

Viele Analysten nehmen daher nun an, dass die amerikanische Notenbank FED das Zinserhöhungstempo zurücknehmen wird. Auf der letzten FED-Tagung wurde der Leitzins um +0,75 % wie erwartet auf glatte 4 % angehoben, während der EZB-Leitzins noch deutlich tiefer bei 2 % steht (siehe Grafik). Ab nun soll der US-Zins aber in +0,5-%-Schritten weiter ansteigen. Der Zinszyklus wird sich dafür aber wohl länger in das Jahr 2023 hineinfressen, bis die Inflation endlich nachhaltig nachgibt. US-Konsumentenvertrauen und Immobilienmarkt zeigen bereits klar nach unten, Arbeitsmarkt und Löhne hingegen deuten das Risiko einer Lohn-Preisspirale an. Das nervt die FED.

Lesen Sie Infos für Anleger im Newsletter von Neelmeyer

Die FED darf den Zinszyklus jedoch nicht überdrehen, ansonsten geht es auch in den USA in eine harte Rezession. Das will keiner. Man redet nun vom sogenannten „Pivot-Punkt der FED“. Das ist der Wendepunkt in der Zinserhöhungsdebatte. Beispiel: Die Bank of Canada hat letzte Woche die Zinsen nur noch um +0,5 % erhöht anstatt um erwartete +0,75 %. Der kanadische Aktienindex stieg daraufhin deutlich an.

Fazit

Nach der FED in den USA zeigt sich nun auch die EZB entschlossen, die Leitzinsen nach ihrem bis Mitte 2022 zögerlichen Handeln nun weiter und konsequent nach oben zu führen. Allerdings tritt man rhetorisch bereits auf die Bremse. Die vorgenommenen Anpassungen in der Wortwahl sind durchaus signifikant. Die Notenbanken berücksichtigen dabei, dass es nicht sinnvoll ist, den Leitzins in die sich abzeichnende Rezession hinein kräftig anzuheben. Wir bleiben daher bei unserer Einschätzung, dass in den USA der Zinserhöhungszyklus früher als in Europa enden wird und wohl auch die EZB nach einer weiteren Zinsanhebung im Dezember die Leitzinsen im Jahr 2023 nicht mehr deutlich anheben wird.

Ein großer Unsicherheitsfaktor für den zukünftigen Zinsverlauf bleibt dabei allerdings die Fiskalpolitik. Sollten die Euro-Länder mit einer expansiven Politik und ausufernden Hilfspaketen auf die nahende Rezession reagieren und damit möglicherweise den von den Notenbanken angestrebten Rückgang der Inflation aufhalten, sind auch höhere bzw. länger andauernde Zinsanhebungen denkbar. Es bleibt spannend!

Wichtige Hinweise

Marketingmitteilung

Diese Publikation ist eine Marketingmitteilung vom Bankhaus Neelmeyer, Zweigniederlassung der Oldenburgische Landesbank AG im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes.

Kein Angebot, keine Beratung

Diese Information enthält kein Angebot zum Erwerb oder zur Zeichnung der darin genannten Wertpapiere und auch keine Einladung zu einem solchen Angebot. Die geäußerten Meinungen geben unsere aktuelle Einschätzung wieder, die sich auch ohne vorherige Bekanntmachung ändern kann. Diese Information kann eine auf die individuellen Verhältnisse des Anlegers und seine Anlageziele abgestellte Beratung nicht ersetzen.

Adressat

Die hier wiedergegebenen Informationen und Wertungen („Information“) sind ausschließlich für Kunden, die Ihren Sitz in der Bundesrepublik Deutschland haben, bestimmt. Insbesondere ist diese Information nicht für Kunden und andere Personen mit Sitz oder Wohnsitz in Großbritannien, den USA, in Kanada oder Asien bestimmt und darf nicht an diese Personen weitergegeben werden oder in diese Länder eingeführt oder dort verbreitet werden. Dieses Dokument einschließlich der darin wiedergegebenen Informationen dürfen im Ausland nur in Einklang mit den dort geltenden Rechtsvorschriften verwendet werden. Personen, die in den Besitz dieser Information gelangen, haben sich über die dort geltenden Rechtsvorschriften zu informieren und diese zu befolgen.

Keine Gewährleistung

Die Informationen wurden sorgfältig recherchiert und beruhen auf Quellen, die wir als zuverlässig ansehen. Die Informationen sind aber möglicherweise bei Zugang nicht mehr aktuell und können überholt sein. Auch kann nicht sichergestellt werden, dass die Informationen richtig und vollständig sind. Für den Inhalt kann daher keine Haftung übernommen werden.

Wertentwicklung

Zurückliegende Wert- oder Kursentwicklungen können für die zukünftige Entwicklung nicht gewährleistet werden. Angaben zur bisherigen Wert- oder Kursentwicklung erlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, da die Basiswährung des Wertpapiers von EURO abweichen kann.