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Ausgabe vom 06. Oktober 2021

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der Begriff „Inflation“ findet in den Gazetten eine immer häufigere Verwendung, dabei gibt es diverse Gründe, weshalb es zu einem allgemein steigenden Preisniveau kommt. Mitunter gibt es Effekte, die zeitlich nur kurzfristig auf die Inflationsrate wirken, andere zeigen dagegen eine längere Wirkung. Einen von diesen Effekten betrachten wir an dieser Stelle eingehender – die so genannte Lohn-Preis-Spirale.

Was verbirgt sich dahinter?

Grundsätzlich erscheint es doch sinnvoll, wenn bei steigenden Preisen auch die Löhne steigen, so dass das reale Einkommen nicht sinkt und die Kaufkraft der Haushalte erhalten bleibt. Löhne sind aber immer auch ein wesentlicher Kostenfaktor in der Produktion von Waren und Gütern sowie bei der Erbringung von Dienstleistungen. Solange die Lohnsteigerungen durch eine Ausweitung des technischen Fortschritts kompensiert werden, ist dies unproblematisch und hätte auch für sich genommen keinen inflatorischen Effekt. Wenn aber die Lohnsteigerungen darüber hinaus gehen, sinken die Gewinne der Unternehmen. Darauf reagieren diese mit einer Erhöhung ihrer Preise, um den sinkenden Gewinnen entgegen zu wirken. Die gestiegenen Preise motivieren dann die Arbeitnehmer wiederum noch höhere Löhne zu fordern. Aus dieser wechselseitigen Aktion und Reaktion entsteht eine Spirale aus steigenden Löhnen und Preisen, die in der Vergangenheit häufig erst durch eine hohe Arbeitslosigkeit beendet wurde, bei einem deutlich gestiegenen Preisniveau (vgl. mit den 1970er Jahren in Deutschland).

Aber wo stehen wir heute?

Ist es realistisch, dass wir in eine Spirale aus steigenden Löhnen und Preisen eintreten, welche die Inflation über einen längeren Zeitraum (mehrere Jahre) auf hohem Niveau halten würde? Ja und nein, muss man ehrlicherweise konstatieren. Die Arbeitsnachfrage der Unternehmen befindet sich auf hohem Niveau, gleichzeitig ist das Angebot begrenzt.

Daneben kommen wir dem "demografischen Wendepunkt" zügig näher, als dem Zeitraum, in dem die Baby-Boomer in das Rentenalter eingetreten sind (siehe Grafik). Von 2025 bis 2030 wird sich dieser Wendepunkt vollzogen haben. Die dann nachfolgenden Geburtenjahrgänge sind signifikant kleiner, so dass das Erwerbspersonenpotenzial spürbar sinkt.

Dies spräche für die Möglichkeit einer einsetzenden Lohn-Preis-Spirale, demgegenüber steht allerdings der voranschreitende technische Fortschritt, der mit der Digitalisierung vor einem neuen Schub steht. Besonders gut kann man diese Entwicklung im Fahrzeugbau erkennen. Die Produktion eines Elektrofahrzeugs erfordert deutlich weniger Personaleinsatz als der Bau eines konventionellen Fahrzeugs. Aber auch im Bankensektor steigt die Nutzung der digitalen Angebote durch die Kunden kontinuierlich und drängt das personalintensive Filialgeschäft zurück. Diese Effekte wirken einer Lohn-Preis-Spirale entgegen.

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Fazit

Eines scheint aber sicher: Die Gefahr einer Phase sinkender Preise, wie zu Beginn der Eurokrise, ist endgültig überwunden. Vielmehr sollten wir uns auf eine längere Phase höherer Preise einstellen, Preiszuwächse im hohen einstelligen Prozentbereich sind aber aus heutiger Sicht ausgesprochen unwahrscheinlich. Für die hiesigen Aktienmärkte wäre das ein Szenario, welches weitere Chancen bietet.

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