Deutscher Aktienindex: Der DAX erneuert sich!

Hintergrund sind die nicht mehr zeitgemäßen Aufnahmekriterien für den deutschen Leitindex. Ein Hauptauslöser war dabei die Pleite des Zahlungsdienstleisters Wirecard im Jahr 2020. Dieser hat gravierende Schwächen im Regelwerk der Deutschen Börse, die für die Zusammensetzung des DAX verantwortlich ist, offengelegt. Zusätzlich gab es zuletzt viel Kritik beim Aufstieg von „Delivery Hero“. Der Lieferdienst hat seit seiner Gründung 2011 im laufenden Geschäft noch nie Geld verdient und konnte trotzdem in die Elite der deutschen Aktien aufgenommen werden. 

Ab September findet nun eine „Runderneuerung“ des DAX statt. Der deutsche Leitindex besteht dann aus 40 Aktien, statt bisher aus 30 Aktien. Die neuen Kandidaten kommen aus der sogenannten „2. Reihe“, dem MDAX. Dies bedeutet allerdings nicht, dass es sich nur „zweitklassige Unternehmen“ handelt, denn auch im MDAX waren in der Vergangenheit einige „Weltmarkführer“ und qualitativ hochwertige Unternehmen zu finden. Diese schafften es aber aufgrund der Aufnahmekriterien für den DAX nicht in die „elitäre“ 1. Reihe.

Das Für und Wider der DAX-Aufstockung

Die DAX-Geschichte startete am 1. Juli 1988 mit der Berechnung des Index durch die „Deutsche Börse“. Nun ca. 33 Jahre später wird die Geschichte neu geschrieben und der deutsche Leitindex auf 40 Aktien aufgestockt.

Hintergrund der Erweiterung ist der Wunsch, sich an internationale Standards anzugleichen, wie etwa die Leitindizes in Frankreich und Italien, die ebenfalls je 40 Titel zählen. Ein breiterer DAX spiegelt zunächst die deutsche Aktienlandschaft und deren Entwicklungen besser wider als nur 30 Aktien. Allerdings ist der Index mit 40 Werten im weltweiten Vergleich auch nicht übermäßig groß, als dass er in einer strategischen Asset-Allokation allein für ausreichend Diversifikation (Risikostreuung) sorgen würde. Ein wirkliches Vorbild für einen solchen Zweck wäre eher der S&P 500, der in den USA die Aktienwerte von 500 der größten börsennotierten US-Unternehmen abbildet. Hier bekommt man tatsächlich ein echtes Bild der Aktienlandschaft, da auch die kleinen und mittelgroßen Unternehmen vertreten sind. Beim neuen DAX ist dies weiterhin nicht der Fall – er bleibt der „Elite“ bzw. den großen Unternehmen vorbehalten.

Einer der kritischsten Aspekte der DAX-Erweiterung ist vor allem die Frage nach den zehn Aufsteigern, die noch nicht feststehen. Hierfür werden diverse Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Chemie oder, Medizintechnik oder Laborausrüstung gehandelt. Deren Bewertungen und Perspektiven haben sich in den vergangenen Monaten keineswegs verschlechtert, doch sie könnten genau das unterbinden, was eine Aufstockung mit sich bringen sollte: einen breiteren Branchenmix im Leitindex. Mit den gehandelten Aufsteigern würde sich das Gewicht der ohnehin schon stark vertretenen Sektoren „Pharma“ und „Chemie“ im DAX sogar noch verstärken, statt verringern. Diese Branchen haben eher einen zyklischen Charakter und könnten somit die Konjunkturabhängigkeit des Leitindexes sogar nochmal erhöhen. In der Folge der DAX-Erweiterung um 10 Aktien erfolgt eine entsprechende Reduzierung des Nebenwerteindex MDAX, der dann nur noch 50 Aktien umfasst. Der MDAX verliert dadurch tendenziell an Bedeutung und die „Elite“ bleibt unter sich. Es bleibt also weiterhin fraglich, ob die neue DAX-Struktur nun wirklich eine bessere und komplettere Abdeckung der Aktienlandschaft Deutschlands erreicht. Immerhin wird der neue DAX mit 40 Aktien in Zukunft ca. 80% (ca. 1,7 Billionen Euro) des deutschen Aktienmarktes repräsentieren (beim alten DAX mit 30 Aktien sind die ca. 65% (ca. 1,4 Billionen Euro). Durch die aktuell höhere Bewertung des MDAX (Kurs-Gewinn-Verhältnis/KGV von ca. 30), wird auch die Bewertung des neues Leitindex leicht ansteigen (KGV akt. ca. 14), bleibt im internationalen Vergleich allerdings immer noch günstig (S&P500: KGV ca. 21). Wichtig ist, dass nach der Umstellung nun nur noch Aktien im Leitindex vertreten sein dürften, die Quartalsabschlüsse und testierte Jahresabschlüsse fristgerecht vorlegen, ansonsten erfolgt eine außerordentliche Streichung („Fast Exit“). Zusätzlich werden nur Unternehmen aufgenommen, die in den zurückliegenden 2 Jahren ein positives Betriebsergebnis vorweisen können. Weiterhin müssen die Kandidaten bei der Marktkapitalisierung unter den Top 40 liegen. Als einziger Kandidat erscheint der Flugzeugbauer „Airbus“ nahezu festzustehen, denn dieser erfülle alle Kriterien und bringt gegenwärtig sogar einen Börsenwert von über 50 Milliarden Euro auf die Waage, was damit einen ungefährdeten Platz in den Top 5 im neuen DAX bedeutet. Eine höhere Marktkapitalisierung haben in Deutschland aktuell nur SAP, Linde, Siemens und Allianz.

Insgesamt dürfte die Neuaufstellung, insbesondere vor dem Hintergrund der deutlich verschärften Aufnahmebedingungen, aber frischen Wind, aber auch mehr Stabilität bringen und somit den Finanzplatz Deutschland eher stärken als schwächen.

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