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Der Bulle klingelt nicht

Selten zuvor haben wir in den letzten 20 Jahren eine derart kontroverse Diskussion zwischen Bulle und Bär wahrgenommen. Während nahezu alle Volkswirte großer Banken das Schlimmste für die nächsten Monate erwarten, wundern sich die Einzelwerteanalysten über diese übergroße Demut und das wenige Vertrauen, das man den Unternehmen entgegenbringt. Schauen wir auf die bisherige Berichtssaison. Sie ist durchwachsen – aber sie ist kein Fiasko, weder in den USA noch in Europa. Bisher sind gut die Hälfte der Quartalsergebnisse im S&P 500 und rund 40 % der Ergebnisse von Unternehmen im Stoxx Europe 600 bekannt.

Die Zahlen überraschen auf den ersten Blick: Im US-Aktienmarkt erwarten die Analysten nun einen niedrigen Anstieg der Quartalsgewinne um 2,5 %. Und ohne den Energiesektor wäre der US-Markt mit einem Rückgang von 4 % nun klar in der Gewinnrezession. Für den europäischen Leitindex geht es mit den Gewinnen stattdessen um satte +31,3 % nach oben – trotz der angeblich düsteren Wirtschaftslage. Wow! Das dieses Gewinnwachstum in den nächsten Quartalen nicht gehalten werden kann, ist wahrscheinlich jedem klar, ob Bulle oder Bär. Und Analysten von Société Générale bringen es auf den Punkt: „Die aktuelle Berichtssaison ist durchwachsener als die vorherige, aber sie ist weit von dem Debakel entfernt, das die Bären am Markt vorhergesagt haben.“

Die Grafik zeigt die Gewinnschätzungsprognose des US-Investmenthauses JP Morgan für den US-Aktienindex S&P 500 (Quelle: JP Morgan Asset Management, 02. November 2022).

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Der Bulle klingelt nicht, wenn er durch die Türe kommt. Er tritt sie ein.

Die Gründe des forschen Eintritts:

  • Die Berichtssaison läuft also besser als erwartet. Wir hatten und mussten das Schlimmste erwarten (vgl. z. B. Ifo-Geschäftsklima oder ICON-Konsumbarometer), aber es kam dann deutlich besser. Das deutsche BIP stieg im 3. Quartal um +0,3 %. Ist das nun „die Ruhe vor dem Sturm?“ (Handelsblatt, 28.10.2022)
  • Der schwache Euro hat europäischen Unternehmen ohne Frage stark geholfen, während z. B. Microsoft über die US-Dollar-Stärke klagte. Der Euro wertete 2022 gut 13 % zum US-Dollar ab und bescherte schöne Exporterlöse und Währungsgewinne. 
  • Die dramatisch gestiegenen Produzentenpreise konnten alles in allem bisher gut an die Kunden weitergegeben werden. Die Margen sind weiterhin hoch. Staatshilfen wie der 200 Mrd. Euro schwere „Doppelwumms“ gegen Strom- und Gaspreisanstiege kommen gelegen. Auch der Arbeitsmarkt zeigt bisher kaum Schwäche. Jede Fachkraft wird gebraucht. 
  • Die Preise und Lieferengpässe vor allem bei Speicher-Chips lassen sichtbar nach. So können zurückliegende Aufträge abgearbeitet werden. Ebenso fallen Containerfrachtraten wichtiger Schiffshandelsrouten. Auch sind Öl- und Gaspreise vom Hochpunkt deutlich heruntergekommen, obschon wir sehen, dass die Öl- und Benzinlagerbestände in den USA sehr niedrig sind. Hochwichtig bleibt, dass die längerfristigen Inflationserwartungen nicht endankert werden. Dies ist ein Appell an die anstehenden Tarifverhandlungen in Deutschland.
  • Der Gesamtspeicherstand in Deutschland liegt bei hervorragenden 97,82 %. Der Füllstand des Speichers Rehden beträgt 90,15 %. Und vor den Häfen liegen bereits viele LNG-Tanker aus den USA, die über den Winter für die Nachfüllung bereitstehen.
  • Apropos Winter(-wetter): Bisher ist es sehr warm. Windstille statt Herbststürme.
  • Große Enttäuschungen aus den USA wie durch die Schwergewichte Amazon, Alphabet, Tesla, Microsoft oder Meta konnten überraschenderweise den Gesamtmarkt nicht stoppen. Das hat am meisten überrascht. Die Bewertung des Gesamtmarktes scheint inzwischen nach dem Kurssturz als günstig eingeschätzt zu werden. Eine softe Landung der US-Wirtschaft gilt als eingepreist. Beim Umsatz konnten nur rund 56 % der S&P 500-Unternehmen bisher überraschen. Beim Gewinn immerhin 72 %. „Normal“ sind Zahlen bei 80 %.
  • Und natürlich laufen nun viele Fondsmanager, die nicht mehr im Markt sind, den gestiegenen Indizes hinterher. Unlängst erklärte die Bank of Amerika in einer viel beachteten Umfrage vom 13. Oktober, dass die die Manager und der Markt bereits „kapituliert“ hätten. Ein klares antizyklisches Kaufsignal. Raten Sie mal, ab wann der Markt anfing zu steigen?
  • Der Blick auf die Aktienstimmung in den USA (am Beispiel der Umfrage: „American Association of Individual Investors“) zeigt noch keine Trendwende und immer noch mehr Pessimisten als Optimisten (rote Striche in der Grafik zeigen die aktuelle Stimmungslage in der 1. Zeile; grüne den langfristigen Durchschnitt seit 2000). Die Einschätzung der Marktteilnehmer ist also immer noch schlechter als im historischen Durchschnitt. In der 2. Zeile ist ersichtlich, dass immer noch 30% der befragten Investoren die Aktie als für sie wichtigstes Anlagemittel erachten. Dies ist auch historisch der Mittelwert. Es hat also KEINE Abkehr vom Aktienmarkt stattgefunden. Es scheint daher nur eine Frage der Zeit, wann der Markt dreht.
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Wir sind der Meinung, dass sich Anleger weiterhin „vor der Kurve“ positionieren sollten, denn wenn der Aktienzug wieder Fahrt aufnimmt, dann ist es schwer noch aufzuspringen und es besteht die Gefahr des „Hinterherlaufens“. Auslöser könnten z. B. das absehbare Ende der Zinserhöhungen, das Ende des Krieges in der Ukraine oder das Ende der Energiekrise – wohl spätestens mit dem Beginn der wärmeren Jahreszeit – sein.

Oberstes Gebot bleibt eine breite Streuung (Diversifizierung). Anleger mit einer aktuell zu geringen Aktiengewichtung sollten dabei die aktuell niedrigen Kurse nutzen, um eine langfristig ausgerichtete Vermögensstruktur aufzubauen.

Wichtige Hinweise

Marketingmitteilung

Diese Publikation ist eine Marketingmitteilung vom Bankhaus Neelmeyer, Zweigniederlassung der Oldenburgische Landesbank AG im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes.

Kein Angebot, keine Beratung

Diese Information enthält kein Angebot zum Erwerb oder zur Zeichnung der darin genannten Wertpapiere und auch keine Einladung zu einem solchen Angebot. Die geäußerten Meinungen geben unsere aktuelle Einschätzung wieder, die sich auch ohne vorherige Bekanntmachung ändern kann. Diese Information kann eine auf die individuellen Verhältnisse des Anlegers und seine Anlageziele abgestellte Beratung nicht ersetzen.

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