Aktien der westlichen Industriestaaten weiter im Sommermodus – Asien schwächelt

Unbeirrt durch die vermehrt auftretenden geopolitischen Unsicherheiten behaupten sich die Aktienmärkte der westlichen Welt und setzen den Gewinntrend fort. Es werden weiter neue Allzeithochs wie am Fließband produziert.

Zu Recht? Ja!

Die Gewinnentwicklung der Unternehmen wird aktuell weiter durch die Corona-bedingten Nachholeffekte untermauert. Diese hohe Nachfrage trifft auf ein eher geringes Angebot und führt zu einer Verknappung von Fertigprodukten und Rohstoffen (bestes Beispiel: Materialknappheit bei wichtigen Vorprodukten bei der Produktion von Technologiekomponenten, z. B. Chips) Die Preise steigen. Zusätzliche Lieferengpässe (Nachwirkungen der Corona-bedingten Produktionsausfällen; stockende Lieferketten durch Staus in wichtigen chinesischen Häfen) versetzen die Unternehmen weltweit in die Lage, leicht höhere Preise durchzusetzen und somit die eigenen Gewinnmargen zu erhöhen. Die Mehrzahl der Unternehmen präsentierte somit in der laufenden Berichtssaison zum Halbjahresende zumeist bessere Zahlen. Zusätzliche Unterstützung kommt hier von den laufenden Fiskalpaketen der einzelnen Regierungen, die zunächst für eine Fortsetzung des positiven Trends sorgen sollten.

Auch im August kletterten somit die wichtigsten Leitindices der westlichen Industrienationen auf neue Rekordstände. Der deutsche Aktienindex „DAX“ kletterte etwa am 13.08.2021 erstmalig über die Marke von 16.000 Punkten und markierte ein neues Allzeithoch bei 16.030,33 Punkten. Ebenso erreichten die US-Leitindices „Dow Jones Industrial“ und der „S&P 500“  neue Rekordstände. Auch wenn in den nachfolgenden Tagen eine gewisse Konsolidierung eintrat, bleibt der Gesamttrend positiv – außer beim „Blick in den Osten“ nach Japan und China.

Die Aktien dieser Regionen setzen die bisherige Schwächephase seit Frühjahr 2021 – in Verbindung mit der neu aufkommenden Viruslast und der aufkommenden chinesischen Regulierung – zunächst fort. Aus der Grafik lässt sich dies erkennen, aber auch, dass in allen Regionen die Aktienkurse auf Sicht von 5 Jahren weiterhin im positiven Bereich liegen.

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„Buy-the-Dips“-Strategie, Diversifizierung und mittel- bis langfristige Ausrichtung bleiben wichtige Komponenten

Eine langfristige Ausrichtung bleibt an den Aktienmärkten eine wichtige Voraussetzung für Anleger. Dennoch liegt der zukünftige Gewinn dabei im Einkauf (alte Kaufmannsregel). Es ist wichtig die zukünftigen Trends und aktuelle Schnäppchen an den Börsen zu finden. Auch wenn internationale Investoren in den Schwellenländern weiter als Beobachter an der Seitenlinie stehen und in diesen Monaten bevorzugt in den Industrieländern investieren, sollte die „Buy-the-Dips“-Strategie (kurz: „in Schwäche kaufen“) insgesamt weiter im Fokus bleiben. An den Börsen gibt es in jeder Marktphase in jeder Region „Schnäppchen“! Für Privatanleger ist dieses natürlich schwierig, d. h. hier bleibt die Möglichkeit auf aktive Fonds zu setzen und in Krisenphasen „Ruhe bewahren“ bzw. auf die „Diversifizierung“ der eigenen Vermögenswerte (Streuung) zu vertrauen.

China-Aktien schwächeln aufgrund der Regulierungen: „Game Changer“ oder „Chance“?

Seit Ende 2020 nimmt die Regulierung im Reich der Mitte kontinuierlich zu. Im Grundsatz ist Regulierung nichts Schlechtes. In Bezug auf den Kapitalmarkt darf sie nur nicht die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und die Rechte der Aktionäre beschneiden. Nach Aussagen der politischen Führung sind die aktuellen regulatorischen Maßnahmen zum Wohle der Allgemeinheit und sollen die soziale Gerechtigkeit stärken. Beim Blick auf Europa ist festzustellen, dass auch hier in den letzten 10 Jahren immer stärker reguliert wurde. Allerdings scheint ein gewisser Gewöhnungseffekt eingetreten zu sein. Die Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere zu den USA, wurde angesichts dessen deutlich eingetrübt (die Regulierung kostete die europäischen und insbesondere die deutschen Unternehmen viele Milliarden, z. B. die europäischen Finanzmarktrichtlinien MiFID I und MiFID II).

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Für Privatanleger und Unternehmen gibt es seither viele Einschränkungen, und es ist gerade im Vergleich mit dem weniger regulierten Amerika durchaus ein langsameres Wirtschaftswachstum festzustellen.

In China gilt es, zunächst eine Balance zwischen der autoritären Führung eines sozialistischen Einheitsstaates und den Kapitalmärkten herzustellen. Nach dem Verständnis der Chinesen übernimmt die Staatsführung in dem Zusammenhang eine Art Schutzfunktion für die Bevölkerung, daher ist die Regulierung für die Mehrheit der Chinesen normal. Für Außenstehende sind die Motive der politischen Führung (noch) nicht klar erkennbar. Wie immer ist Unsicherheit nicht gut für die Kapitalmärkte und führt somit zu einem deutlichen Abfluss von Anlagemitteln, was in den letzten Monaten zu einem deutlichen Kursrutsch an den Aktienmärkten führte.

Game Changer oder einmalige Chance?

Dennoch bleibt China die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt hinter den USA. Der Aktienmarkt hat jedoch, vor dem beschriebenen politischen Hintergrund, in Verbindung mit den Unsicherheiten in Bezug auf die Wachstums- und Gewinnaussichten der Unternehmen, deutliche Kursverluste im Jahresverlauf 2021 verzeichnen müssen. Bei Betrachtung der Grafik ist ein derartiger Kursverlauf in den letzten Jahren immer wieder vorgekommen. Zuletzt 2019/2020 mit dem Beginn der Corona-Krise. Der aktuelle Verlauf ist allerdings noch nicht so stark, wie im Jahr 2018. Auf mittelfristige Sicht ist somit eine Erholung vor dem Hintergrund der soliden Konjunktur und der weiterhin positiven Wachstumszahlen der Volkswirtschaft weiter zu erwarten. Bestärkung erhält dieses Szenario darin, dass die chinesische Regierung ihr eigenes Ziel die größte Volkswirtschaft der Welt zu werden, nicht aufgegeben hat. Der Zukunftsplan steht weiter, inklusive der chinesischen Expansion in Richtung Europa über die „neue Seidenstraße“ (der Wiederbelebung der Handelsstraße bzw. Landverbindung zwischen Asien und Europa). Anleger sollten somit in der aktuellen Marktphase Ruhe bewahren und chinesische Investments nicht „verteufeln“, sondern weiterhin als mittel- bis langfristige Beimischung in einem Gesamtstruktur nutzen. Wir halten eine Beimischung von Schwellenländern (Emerging Markets) mit Fokus auf Asien von ca. 10 % weiterhin für sinnvoll. Auch wenn das aktuelle Momentum (kurzfristiger Trend) eher für andere Regionen spricht, so bleibt insbesondere die Story „China“ intakt.

Fazit: „Geduld und eine breite Diversifizierung zahlt sich meistens aus – Panik(-verkauf) ist nie ein guter Ratgeber!“

Wichtige Hinweise

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Diese Publikation ist eine Marketingmitteilung vom Bankhaus Neelmeyer, Zweigniederlassung der Oldenburgische Landesbank AG im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes.

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