Gewinnmitnahmen zur Neuausrichtung des Portfolios nutzen

Der deutsche Leitindex „DAX30“ konnte sich im März 2021 endlich aus der Seitwärtsbewegung seit 2015 befreien und nachhaltig charttechnisch nach oben ausbrechen (siehe folgende Grafik). Aber nicht nur in Deutschland geht es weiter nach oben. Ungeachtet der nahenden Sommermonate und des vielzitierten Mail-Sprichwortes „Sell in may and go away“ (frei übersetzt: „Verkaufe im Mai und verlasse die Börse!“, haben die meisten internationalen Leitindices im März ein Allzeithoch nach Allzeithoch markiert.

Jedoch sind in der Presse in den letzten Wochen immer häufiger Schlagwörter wie „Überhitzung“, „Blase“ oder „Aktien sind teuer“ zu lesen. Vor dem Hintergrund dieser exorbitanten Wertentwicklungen der letzten Monate haben diese Wörter definitiv eine Existenzberechtigung und sollten beachtet werden. Die Börse ist nun einmal keine Einbahnstraße.

Auch wenn im Jahr 2020 das vorgenannte Sprichwort nicht die richtige Empfehlung gewesen wäre, so kann es dieses Jahr durchaus wieder eine Sommerpause geben und „Sell in may“ eine gute Idee sein. Wir haben aktuell daher die Aktienquoten um 5 % reduziert und somit einen Teil der Gewinne realisiert. Wir erwarten zwar keine nachhaltige Korrektur, halten aber eine gewisse Konsolidierung in den Sommermonaten für möglich und werden die Zeit nutzen um Neustrukturierungen mit stärkerem Fokus auf zyklische und zukunftsorientierte Branchen vornehmen.

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In diesem Chart ist die Schnelllebigkeit der Börse erkennbar. Nachdem der DAX von Mitte Februar bis Mitte März 2020 ca. 40 % an Wert verlor, reduzierten viele Anleger überproportional ihre Bestände, die meisten Verkäufe erfolgten allerdings bereits auf deutlich reduzierten Niveaus. Die ebenso schnelle Erholung in den Sommermonaten erwischte viele Anleger auf dem falschen Fuß und viele Anleger verpassten den Wiedereinstieg.

Heute, ein Jahr später notiert der Index nun sogar über dem Niveau von 2020. Es bestätigte sich somit wieder, dass langfristiges Denken und „Ruhe bewahren“ gute Ratgeber an der Börse sind.

Branchenrotation – Autos und Banken wieder gefragt

Die Rotation der Branchen setzt sich fort. Hintergrund sind die hohen Kursgewinne der Wachstumsaktien in den letzten 1-2 Jahren. Seit einigen Monaten werden diese aufgelaufenen Übergewichtungen von Wachstumswerte in den Portfolien wieder angepasst (Re-Allokation), d.h. es werden Gewinne realisiert. Vor dem Hintergrund der guten fundamentalen Daten und konjunkturellen Lage der Weltwirtschaft werden diese Gewinne allerdings nicht als Liquidität gehalten (bei Liquidität werden in der Regel Negativzinsen fällig), sondern häufig schnell wieder investiert. In der aktuellen Marktphase profitieren hiervon insbesondere zyklische Branchen, wie Automobil, Banken (Profiteuer von höheren Zinsen) und Nahrungsmittel.

Aus der Grafik kann man den schwarzen Balken entnehmen, dass die Entwicklung der Value-Aktien in Europa im Jahr 2020 sehr negativ war. Dies hat sich in den letzten Monaten und insbesondere Anfang 2021 wieder deutlich verbessert. Das Aufholpotential wird hierdurch deutlich und drückt sich aktuell auch schon in den beschrieben guten Unternehmensberichte aus sowie in der kurzfristig besseren Wertentwicklung im Vergleich zu Wachstumsaktien. Wir gehen allerdings nicht von einem nachhaltigen Trendwechsel aus, erwarten allerdings eine Angleichung bzw. Normalisierung. Anleger sollten daher ebenfalls wieder den Blick Richtung „Value-Branchen“ werfen und diesen Aktien wieder mehr Beachtung in den Portfolien schenken.

Der gute Start in die aktuelle Berichtssaison mit guten Umsatz- und Gewinnentwicklungen von verschiedenen zyklischen Branchen, insbesondere aus der europäischen Autoindustrie (Profiteuer vom Boom der chinesischen Wirtschaft) oder Bankenlandschaft (Profiteur von höheren Zinsen) macht hier Hoffnung, dass das europäische Nachholpotential bei Vale-Aktien (Substanzaktien) kontinuierlich gehoben wird und sich die Differenz zu den Wachstumswerte wieder normalisiert (siehe Grafik).

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Start der Dividendensaison & aufkommende Zinsangst bringen Vorteile für Value-Aktien

Die heiße Phase der Dividendensaison (Hauptversammlungen, Jahresberichte und Gewinnausschüttungen) steht aktuell vor der Tür. Dies dürfte den beschrieben Trend zunächst verstärken. Wir präferieren daher aktuell den zyklisch geprägten europäischen Aktienmarkt, der zusätzlich attraktive Dividendenausschüttungen in Aussicht stellt. Gewinnmitnahmen aus Wachstumsaktien finden somit in diesem Segment eine interessante und zeitlich passende direkte Wiederanlagemöglichkeit. Ein weiterer Verstärker ist die aufkommende Zinsangst in Verbindung mit weiterhin erhöhten Bewertungen im Technologie-Bereich. Die Situation bei vielen Technologie-Aktien ist zwar nicht mit der Phase zu Beginn des Jahrtausends vergleichbar (Stichwörter: „Neuer Markt“, „Internet-Blase“, nahezu keine Technologie-Aktie machte Gewinn), allerdings besteht die Branche weiterhin aus jungen aufstrebenden Firmen, die einen hohen Kapitalbedarf haben. Bei der Ermittlung des fairen Firmenwertes und der Berechnung des heutigen Wertes der zukünftigen Gewinne (Abzinsung) verursachen höhere Zinsen rechnerisch einen geringeren Wert. Je höher also die Zinsen, desto weniger gerechtfertigt sind höhere Bewertungen. Vor diesem Hintergrund ist es Wachstumsaktien häufig gar nicht möglich eine hohe Dividende auszuschütten, da dies einen fortlaufend positiven „Cashflow“ (Geldzufluss im Unternehmen) voraussetzt. Insgesamt betrachtet wirkt bei der Gewinnentwicklung auch die zuletzt gestiegene Inflation (Preissteigerung) positiv und lässt die Gewinne im Trend automatisch zulegen. Dadurch steigen dann auch die Ausschüttungen an die Aktionäre, wobei diese von den Aktienkursen zunächst abgeschlagen werden, aber in der Regel schnell „aufgeholt“ werden. Also eine gute Chance für Value-/Dividendenaktien!

Wichtige Hinweise

Marketingmitteilung

Diese Publikation ist eine Marketingmitteilung vom Bankhaus Neelmeyer, Zweigniederlassung der Oldenburgische Landesbank AG im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes.

Kein Angebot, keine Beratung

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Adressat

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